Ein  Leitbild des Apothekers lässt sich von einer kleinen Gruppe im stillen Kämmerlein entwickeln und formulieren. Wenn das so sein soll, dann muss allerdings auch im Berufsstand Einigkeit hierüber vorherrschen. Bei einer so wesentlichen Frage reicht es nicht aus, Delegierte zu befragen sondern auch die Basis muss gefragt werden und wählen dürfen, auf welche Weise das Leitbild entwickelt werden soll. Es sieht so aus, als ob die geringe Beteiligung auch die Antwort darauf ist, dass dieses Einverständnis nicht eingeholt worden ist.  Kritik an der Art und Weise des Vorgehens bei der augenblicklich durchgeführten Befragung zum Leitbild mit anschließender Diskussion ist ausreichend veröffentlicht worden. Kritik wird insbesondere an dem Fragebogen und seiner anscheinend abschreckenden Wirkung geübt. Der Fragebogen will offensichtlich zu einem bestimmten Ergebnis führen und auch die Diskussion dahin leiten. Das ist der falsche Weg.

Doch nur Meckern reicht eben nicht aus. Dann macht man sich an dem Ergebnis mitschuldig. Denn hier wird ganz offensichtlich von einer Gruppe, die dieses Leitbild nach ihrer Fasson durchsetzen will, versucht, hierfür eine Legitimation zu bekommen. Selbst wenn man einen großen Teil des Leitbildes mittragen könnte, ist dies durch diese Form ein unlauterer Versuch. Also doch ausklinken?

Nicht mein Weg. Meine Grafik „773 Jahre sind genug“ zeigt auf, worum es mir geht. Jedenfalls nicht um halbe Sachen. Diesen Vorwurf mache ich den Entwicklern dieses Leitbildes. Sie ziehen aus der vorherzusehenden Entwicklung nicht die Konsequenz. Die strikte Trennung zwischen dem Apothekerberuf und dem Beruf des Arztes wird sich bald überlebt haben. Darauf muss auch der Gesetzgeber reagieren. Meine Forderung deshalb, die ich bereits 1982 gestellt habe: in die öffentliche Apotheke gehört als Leiter ein „Apotheker für Medizin“ oder ein „Arzt für Pharmazie“. Nur so werden wir auch in einem Netzwerk als gleichwertiger Partner auf Augenhöhe angesehen und die Krankenkassen können unsere Leistungen nicht länger ignorieren und müssen sie honorieren. Dies ist vor allen Dingen bei neuen Leistung der Fall, die wir nicht einfach mal so kostenlos auf Probe erbringen können, wie es anscheinend immer noch von uns erwartet wird. „Arnold: „Wir müssen mit unserer Arbeit einen volkswirtschaftlichen Nutzen erzeugen, ansonsten werden wir keine Akzeptanz dafür finden.““ Das ist richtig. Diesen Nutzen werden wir aber nur erbringen können, wenn wir als Apotheker leistungsfähig genug auch eingedenk unserer wirtschaftlichen Basis sind, so dass der Focus zwangsläufig auch auf diese wirtschaftliche Basis gerichtet werden muss. Sieger wird sicher nicht der sein, der das meiste Papier für seine QM-Pflichtübungen verbraucht, weil er jeden Atemzug dokumentiert. Es muss möglich sein, den Lebensunterhalt für sich und das Personal zu verdienen, obwohl man pausenlos von fragwürdigen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln abrät. Das ist  heute noch nicht möglich. Deshalb wiederhole ich meine Forderung von 1987: „Beratung muss es in der Apotheke auf Krankenschein geben!“ Natürlich tangiert ein solches Leitbild auch die Apothekerausbildung und verlangt dort nach einem riesigen Strukturwandel. Das sind aber nicht die unlösbaren Probleme. Wichtiger ist, dass wir  Eigennutz erkennen. Dass wir erkennen, wo vordergründig wissenschaftliche Erkenntnisse oder Notwendigkeiten von Angehörigen zum Leitbild beratender Gruppen dazu dienen, die Marktposition Angehöriger dieser Gruppen auf Kosten von uns auszubauen. Die neue Apothekenbetriebsordnung singt ein Lied davon.

Rudolf Kley 25.02.2014

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