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"Am späten Abend des 13. Februar 1945 griffen mehrere Hundert britische Bomber das Stadtzentrum
Dresdens an. Ihnen folgten Stunden später eine noch stärkere Streitmacht und in den Mittagsstunden des 14.
und 15. Februar 1945 amerikanische Verbände. Im Ergebnis dieser vier Luftangriffe wurden das
Dresdner Stadtzentrum fast vollständig zerstört und mehrere Zehntausend Menschen getötet.. Im September 2004 wurde „Dresden, 13. Februar – Ein Rahmen für das Erinnern“ veröffentlicht". Die Initiatoren des Aufrufes laden erneut ein, sich zu Wort zu melden, um diese Diskussion weiterzuführen. Rudolf Kley meldet sich mit dem Entwurf zu einem Mahnmal zu Wort. Es  wirft die Frage auf: "Warum muss es unbedingt ein Hundeknochen sein?"

                  

Mahnmal für Dresden


„Coventry , Holocaust, Bomben auf Dresden. Man kann solche Verbrechen gegen die Menschheit nicht einfach verbinden, um sie zu erklären oder zu rechtfertigen. Auch Umschreibungen wie „Das Feuer sei in das Land der Brandstifter zurückgekehrt“ (Cornelius Weiss) haben eher eine verniedlichende als eine Verständnis erzeugende Dimension. Hypothetisch: Wären die Bomben auf Dresden in jedem Fall gefallen? Eigentlich hätte jedes Opfer dieses wahnsinnigen Krieges in Deutschland und außerhalb seiner Grenzen ein Mahnmahl verdient.*“

Die Bombenopfer in Dresden haben kein eigenes Denkmal. Einer Stadtführerin fällt nur die Trümmerfrau auf dem Rathausplatz ein. Die Nachfrage beim Denkmalschutz bringt einen Hinweis auf eine Anlage auf dem Heidefriedhof, auf dem fast 20 000 Opfer nach der Bombennacht am 13. Februar in Massengräbern beigesetzt wurden. 1948 erfolgte die Umgestaltung der Massengrabanlage zum Ehrenhain, wobei die Pläne von K. Girt und D. Goldtammer stammten. Hier wurden 14 Stelen des Bildhauers W. Hempel aufgestellt. Die Gesamtplanung oblag dem Architekten Röthig. Die Sandsteinsäulen tragen die Namen von Konzentrationslagern und im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörter Städte wie Coventry und Leningrad. (www.dresdner-stadtteile.de)

Rudolf Kley aus Duisburg fordert ein Denkmal für die Opfer der Bombennacht an zentraler Stelle. „Es muss „anstößig“ im positiven Sinne sein. Besucher müssen es sehen wollen und die Botschaft mitnehmen, dass sich so etwas nie wiederholen darf. Der Teufelskreis selbstbestätigender Diskussionen und hohler Gesten muss endlich durchbrochen werden.“ Um die Diskussion auf ein neues, fruchtbareres Gleis zu leiten, stellt der Apotheker und Aktionskünstler (Josef Beuys 1981:“Mach Du es!“) auch gleich einen Entwurf vor. Das, was hiernach über-dimensional geplant ist, ist schon als Entwurf anstößig genug. Ein Hundeknochen, der sich über einen gebogenen Löffel beugt. Die Nachbildung eines echten Knochens hätte Kley als pietätlos empfunden: „So wird der im Gegensatz zur Treue des Hundes stehende Kadavergehorsam einbezogen.“ Was parallel angeordnet ist, bildet je nach Blickwinkel einen Brückenbogen. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich. Die „Laffe“, der Teil des Löffels, der zum Munde geführt wird, erinnert an eine Opferschale. Von der Seite gesehen ergibt sich fast die Silhouette einer Glocke, die behütet und schützt. Dort, wo bei einer Käseglocke der Käse liegt, befindet sich ein Monument aus miteinander verschweißten Löffeln. Hier sieht der Apotheker eine Möglichkeit, die Löffel einzusetzen, die Patienten ihm als Vorgriff auf die Folgen der Gesundheitsreform nach einem bundesweiten Aufruf aus Protest abgegeben haben. Er sieht hier aber auch eine Chance für die Bevölkerung, sich durch die Abgabe weiterer Löffel aktiv am Aufbau eines Mahnmal zu beteiligen. Er glaubt, dass die tätige Mithilfe der Bevölkerung an einem solchen Mahnmal das Bild der Deutschen im Ausland eher zurechtrückt als alle starken Worte der Politiker zusammen.

Rudolf Kley wurde 1946 in Wolfenbüttel geboren und leitet seit fast dreißig Jahren in Duisburg Meiderich die Löwen-Apotheke. Über Kulturpolitisches Engagement hat er schon in den siebziger Jahren zur Malerei zurück-gefunden. 1985 kam er mit der längsten abstrakten Bildfolge ins Guinnessbuch der Rekorde. (Gleiche Rubrik„ in letzter Minute“ wie Boris Becker) Seit seinem Parallel Happening „Kunst ist Kohl“ zu Vostells Fluxuszug 1981 bezieht er die Bevölkerung in seine Aktionen mit ein, indem er z.B. zum Sammeln von Luftpumpen oder Löffeln aufruft. Mit der Gründung einer Gesundheitsschutzpartei tat er sich schwer. 2004 trat er in Duisburg als Oberbürgermeisterkandidat an und erzielte aus dem Stand heraus ein beachtliches Ergebnis.

*Damit die Menschen, ihre Volksvertreter endlich dazu lernen und nicht Lügen konstruieren, um andere Länder mit Krieg überziehen zu können. Eine friedliche Welt zu diesem Preis? Der Volksmund umschreibt dies so: Denn Teufel mit dem Belzebub austreiben!
 

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