Rudolf Kley - Apotheker, Maler und Aktionskünstler
   

1989 - 1992

 

Einladungskarte zur gleichnamigen Ausstellung im Rahmen der Duisburger Akzente "Unser Haus Europa"

Gründung der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V.

NAMEART- Wenn der Name Kley groß auf dem Bild steht, kann man die Bilder mit dem Namen einer Weltfirma unterschreiben. Nike sagte Ja dazu Cola Nein, deshalb wurde dieses Bild mit echter Cola gemalt und die Flasche darunter gestellt. So steht auch Cola unter dem Bild.

Ein Blick in die Ausstellung

 

 

 

Im Rahmen der 14. Duisburger Akzente 1990 „Unser Haus Europa" zeigt Rudolf Kley „Malerei an der Wende". Die Einladungskarte ist nach dem Motto entstanden „Würde van Gogh heute noch leben, gingen ihm auch Luftpumpen durch den Kopf!" Kley entwirft eine „Russlandgrafik". Eine Luftpumpe treibt auf dieser Grafik ein Schiff an, das van Goghs Weizenfeld nach Russland bringt. Es wird von einer Friedenstaube gesteuert. 100 Bestellungen gehen ein, nicht genug, um den aufwendigen Druck von 1000 Exemplaren zu finanzieren. 1990 kommt Rudolf Kley richtig auf den Hund, genauer gesagt auf einen Hund namens Hubertus. Ein Deutsch-Drahthaar. Hautnah bekommt Kley jetzt die Sorgen und Nöte der Hundebesitzer mit, aber auch die Ängste der Mitbürger ohne Hund. Er gründet zum Interessenausgleich die „Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V." Für Kley hat die Hundehaltung einem der Malerei durchaus vergleichbaren therapeutischen Stellenwert. Malen ist gesund. Immer wieder grübelt Rudolf Kley darüber nach, wie er erwachsenen Menschen, die Angst vor der weißen Fläche haben, nicht wissen, was sie malen sollen, an diese wohltuende Freizeitbeschäftigung heranführen kann. Dabei kann jeder Erwachsene seinen Namen schreiben. Wenn dies mit großzügigen Gesten geschieht, entstehen auf der Bildflächen Felder, die man farbig ausmalen kann. Kley nennt das NAMEART.
Für ihn ist sowieso der Name die Kunst. Kunstwerke werden durch Namen des Künstlers erst zu Markenartikeln. Da die Preise immer Liebhaberpreise sind, darf sich über zu hohe Preise nur derjenige aufregen, der sich über die Verschwendung öffentlicher Gelder ärgert. Im April 1991 startet Rudolf Kley ausnahmsweise einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine „NAMEART". Kley bittet Weltfirmen um die Erlaubnis, seine Bilder mit ihren Firmennamen oder dem Namen eines ihrer bekannten Produkte signieren zu dürfen. Kley malt nämlich nur „Kley" auf die Bilder. Damit erübrigt sich eine Unterschrift mit dem eigenen Namen. Absagen und Zusagen halten sich die Waage. Nike hat nichts dagegen, Black und Decker schon. Zur Ausstellung anlässlich des 15jährigen Galeriejubiläums der Galerie 77 erscheint auch hoher Besuch von THOMSON CONSUMER ELECTRONICS, der General Manager Jens Oberheide. Weil sich Coca Cola sträubt, benutzt Kley für ein Bild ausschließlich das braune Getränk als Farbe. Coca Cola wird damit selbst zur Unterschrift! Diese Spitzfindigkeit findet sich auch im nächsten Akt wieder.
 

NAMEART. Der Kunstmarkt verlangt das Markenprodukt, die Unverwechselbarkeit und die Signatur. 1991 wählt Rudolf Kley die Pseudoanonymität und benutzt den Namen Kley nur, um die Bildfläche aufzuteilen und unterschreibt je nach Laune mit einem anderen Künstlernamen. Nach dem Motto „Der Name ist die Kunst" hat Rudolf Kley sich von diversen Markenfirmen die Erlaubnis geben lassen, seine Bilder mit ihren Firmennamen oder dem Namen eines ihrer Produkte unterzeichnen zu dürfen. Er unterstreicht damit, dass es nicht darauf ankommt, Bilder zu malen, damit man am Ende etwas zu signieren hat. Der Malprozess ist das entscheidende Ereignis. Der besondere Reiz dieser Aktion liegt darin, dass Kunstsponsoring hier einmal andersherum funktioniert. Nicht die Künstler, sondern die Firmen werden – im guten Sinne des Wortes – benutzt.Die Malergebnisse - Popart und abstrakter Expressionismus geben sich hier die Hand – bezeichnet Rudolf Kley unter Einschluss ihres Entstehungsprozesses als „NAMEART". „NAMEART" stellt für Rudolf Kley auch die Spitze der Performance dar. Außerhalb der Malerei zählt für ihn jede Personality Show dazu, jeder „Gottschalk", jeder „Harald Schmidt" z.B. Es interessiert Rudolf Kley absolut nicht, ob der Begriff „NAMEART" irgendwo in der Welt bereits von anderen Zeitgenossen so oder anders benutzt wird oder wurde, oder andere Maler ihren Namen jemals zum Gegenstand ihrer Malerei gemacht haben. Ohnehin hat Rudolf Kley den Begriff inzwischen auf jede Art von Malerei ausgedehnt, die auf das wie auch immer geartete Ausmahlen von Feldern zurückgeht, wie sie sich aus dem Schreiben eines Begriffes, eines Satzes oder ganzen Kapitels auf den Bildgrund ergeben.


Erklärende Worte von Rudolf Kley anlässlich der NAMEART - Ausstellungseröffnung am 12. November 1992 in der Galerie 77. Zu den Bildern dieser Ausstellung. Warum sind einige Bilder signiert andere nicht? Warum mit "Bläck und Dächer", "Bläck Donald" oder gar "Seehofer"? Warum steht da eine Flasche COCA COLA unter dem Bild?Es handelt sich hierbei nicht um Signaturen, sondern um Bildtitel, die das dargestellte gut beschreiben. Verbote, meine Bilder mit bestimmten Firmennamen zu unterschreiben, haben mich zwar zu diesen Bildern inspiriert. Es ist dem Assoziationsspielraum des Betrachters überlassen, an welche Firmen er bei dem Betrachten der Bilder denkt. Für mich zählt nur das Dargestellte und dies hat keinen Bezug zu irgendwelchen Firmen.
Anders ist es bei dem Seehofer Bild. Da suche ich den Konflikt, da schreibe ich mir etwas vom Herzen. Ich habe noch nie einen Menschen mit so einem breiten Lächeln lügen sehen. Natürlich wird dem Patienten die Gesundheit gekürzt und dafür die Krankheit ein wenig verlängert. Seehofer nimmt so massiv Einfluss auf die Verschreibung des Arztes, dass er ärztliches Handeln beeinflussen muss. Beim Schreiben muss der Arzt jetzt nicht mehr an Ethik sondern an seine Mohnethik denken! Seehofer ignoriert, das man gerade aus diesem Grund vor 750 Jahren die Berufe Arzt und Apotheker getrennt hat. Er will mittelalterliche Verhältnisse wieder einführen.
Die anderen Bilder sind deshalb Doch nicht mit Firmenna8en signiert, weil ich jetzt am Anfang keine Firma besonders hervorheben will. Einerseits sollen sich die Firmen ihre Bilder selbst aussuchen, andererseits wurde die Erlaubnis auch manchmal von der Zusage der Bilder abhängig gemacht. Ich benutze das Wort "Kley" nicht, damit am Ende wirklich ein echter "Kley" an der Wand hängt. Mir ist es eigentlich egal, was ich male. Voraussetzung ist nur, dass das Thema von mir bewusst und emotional getragen wird. Die Buchstaben z.B. sind austauschbar. Beweis: die "LEOFEEN" Ausstellung vor 2 Jahren. "Kley" im Zusammenhang mit der von mir kreierten "NAMEART" ist nur eine tragfähigere Brücke von meinem Verständnis von Malerei zu meinem Kunstverständnis.
Ich greife auf, was alle Menschen denken. Der Preis eines Bildes hängt natürlich nur von dem Namen des Künstlers ab. Das so denken, aber innerlich nicht akzeptieren, ist das größte Hemmnis bei der Bildbetrachtung. Es lenkt vom Bild ab, weil man sich mehr mit seinem Preis auseinandersetzt. Es steht der eigenen Kreativität im Wege, weil man sich unsicher ist, ob es da nicht doch ein objektives Qualitätskriterium gibt, das nur Fachleute kennen.
Eine Verbindung von POP ART und abstrakten Expressionismus sehe ich in meinen Werken insofern, weil ich mit Hilfe vergleichbarer Stilmittel die Bedeutung des Malaktes selbst thematisiere. Stilmittel heißt hier, ich biete Buchstaben an, die jeder meiner Zielgruppe lesen kann und bringe hoffentlich den vom Ringen um das Bild durchsetzten Spaß an der Malerei rüber. Im Unterschied zur POP ART greife ich nicht den Markenartikel durch Abbildung auf, sondern benutze sein Image. Der Haken an dem gemeinnützigen Aspekt meiner Aktion ist, dass meine Thesen nur durch den persönlichen Erfolg Beweiskraft erlangen.
Mich interessieren auch Bilder, die andere Menschen malen. Im Gegensatz zur Kunstmarkt- oder Expertenmeinung kann die Bilderflut nicht groß genug sein. Unter der Bilderflut leidet nicht "die Qualität" . Denn so wie es auch "die Kunst" nicht gibt, gibt es auch nicht „die Qualität". Es entsteht eine neue Qualität. Für mich liegt die Qualität in der Glaubhaftigkeit, Authentizität. Wer diese in seine Bildern auslebt, kann auch im Alltag nicht von ihr lassen. Ich behaupte, wer in seinen Bildern ehrlich ist, ist es auch zu sich selbst, eine Grundvoraussetzung, um auch mit seinen Mitmenschen ehrlich umzugehen. Darüber hinaus steckt in kreativer Freizeitgestaltung noch ein therapeutischer Effekt. Unsere Gesellschaft orientiert sich nicht mehr an der Arbeit als Lebensinhalt. Dies schafft für diejenigen Freizeitprobleme, die sich nicht selbst beschäftigen können und denen das Geld fehlt, um sich fortwährend unterhalten zu lassen.
Der spielerische Umgang mit Malerei kann für viele Menschen, denen z.B. der Sport nichts gibt, ein Ausweg in eine neue Freizeitkultur sein, zu der natürlich auch noch andere Wege führen.